Konzertbericht: M.U.R Open Air (15.07.2023)

Geballer auf’m Gebörne!

Nur knapp eine Woche nach unserem Auftritt beim Into The Dungeon Festival in Kreuztal sollte uns das Festivalfieber erstmalig als Band aus Nordrhein-Westfalen herauslocken. Genauer gesagt zum Metal Underground Resistance Vol. 8. Kurz: M.U.R. Open Air.

Als Opener für den Samstagnachmittag eingeplant, entschieden wir uns für eine Anreise am Festivalfreitag und so machten wir uns gegen 15 Uhr mit zwei Autos auf den Weg Richtung Thüringen. Unser Ziel war ein kleines Underground-Festival auf dem Gebörne in Garsitz, das jährlich durch den Metalstammtisch Königsee veranstaltet wird. Das „Gebörne“ ist ein kleiner Berg im Thüringer Wald, in dem es mehrere Höhlen gibt, Bergbau stattfand und einige prähistorische Dinge gefunden wurden. Superinteressant und mit Bergbaugeschichten und uralten Klamotten kennen wir uns ja aus. Vertraute Bedingungen sozusagen. 😉

Vertrauen konnte man trotz Unwetterwarnungen für manche Teile Deutschlands, auch dem Wetterbericht fürs M.U.R. Open Air und so blieb es das gesamte Wochenende weitestgehend trocken und angenehm. Nur kurzzeitig störte die Gewitterdecke das Festival, aber es hielt die metalsüchtige Meute bei weitem nicht davon ab, an diesem Wochenende eine großartige Party zu veranstalten.

Wir waren alle ziemlich gespannt auf unseren ersten Trip als Band mit Übernachtungen und allem Pipapo. Bislang konnten wir nach unseren Shows ja immer noch nach Hause fahren, aber dieses Mal lockte uns der Kalender aus unserer gewohnten Komfortzone heraus. Das war mal etwas anderes, aber darauf hatten wir uns bestens eingestellt. Vielmehr war es für uns wie eine Art Test und ehrlich gesagt waren wir auch total neugierig, wie unser Sound bei Leuten ankommen würde, die uns höchstwahrscheinlich noch nie gehört bzw. gesehen haben. Ja, das kommt bei Shows hier bei uns in der Region auch regelmäßig vor, aber in NRW sind immer ein paar treue Seelen dabei, die uns von Gig zu Gig unterstützen und uns nach vorne peitschen. In Thüringen mussten wir das gesamte Publikum versuchen zu überzeugen. Eine Herausforderung, die wir gerne annahmen.

Nach einer entspannten knapp fünfstündigen Fahrt inklusive Burger-Pause kamen wir in Königsee bei Ilmenau an. Wir waren sofort schwer angetan von der Landschaft und den kleinen Dörfern. Im Gegensatz zum Ruhrgebiet ist dort zwar auf ’nem Freitagabend bereits der Hund komplett begraben, dafür haben die aber ein toftes Metal-Festival auf ’nem Berg. 😉

Untergebracht wurden wir in einem gemütlichen Gasthaus unweit des M.U.R. Open Airs. Der Laden trug den unscheinbaren Namen „Felsenkeller“ und aufgrund der verwendeten Schriftart fürs Firmenlogo alberten wir wie gewohnt herum und sprachen die folgenden zwei Tage immer vom „Gelsenkeller“.

Mit unserer Heimatstadt hatte die Unterkunft wahrlich überhaupt nichts zu tun, aber es gab einen guten Grund für den Namen „Felsenkeller“. Unterhalb des Gebäudes, nämlich im Keller, befand sich ein unterirdischer See in Schiefersteinumgebung. Das mussten wir uns natürlich anschauen und bot uns dann doch noch ein Stück weit heimatliche Atmosphäre im „Gelsenkeller“. Es war auf jeden Fall sehr cool und eine tolle Erfahrung.

Ein Shuttle-Bus fuhr regelmäßig die Headbanger vom Dorf zur Bühne und zurück. Tatsächlich waren diese Touren sehr abenteuerlich, da die Wege hoch zum Gebörne nicht gerade für Pkw und Busse gemacht worden waren. Je nach Tageszeit und Alkoholpegel passierten dann auch schon mal ein paar unappetitliche Dinge auf den Fahrten. Lustig waren sie aber zu jeder Zeit und wir waren froh, dass wir die knapp 2 KM Luftlinie nicht laufen mussten.

Gegen ca. 21 Uhr erreichten wir dann endlich das Festivalgelände. Leider verpassten wir den Auftritt von Ravager, die wir gerne live gesehen hätten. Na ja, das restliche Freitagsprogramm hatte es aber auch in sich und besonders umgehauen wurden wir von M.A.D, eine 1986 in Sachsen-Anhalt gegründete Death-Metal-Band. Nachdem wir bereits ordentlich Granaten entschärft, die Crew und das Gelände kennengelernt und einige unterhaltsame Gespräche geführt hatten, starteten Pumper und Kraje die ersten Moshpits vor der Bühne. M.A.D. hatten aber auch einen wahnsinnig brutalen Sound und non-stop treibende Songs im Angebot. Die Reise hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon mehr als gelohnt.

Eigentlich wollten wir den ersten Abend „auf ruhig“ machen. Wie das geklappt hat, könnt ihr euch bestimmt vorstellen. 😉

Obwohl noch richtig lange Gas gegeben wurde, wachten wir am Samstagmorgen relativ fit auf und trugen die einzelnen Flashbacks vom Vortag beim Frühstück mit der Crew und den anderen Bands zusammen. Dann war der Moment gekommen, auf den alle gewartet haben…

Wir mussten das Gebörne selbst hochfahren! 😀

Mit viel Staub, einer stinkenden Kupplung und nassgeschwitzt erreichten wir den Anlieferbereich hinter der Bühne. Wie immer als erste Band hat man den Vorteil, ohne viel Stress sein ganzes Zeug aufzubauen und für einen ausgiebigen Soundcheck ist in der Regel dann auch noch Zeit. Spätestens als wir den ersten Song checkten, wusste ich, dass wir einen richtig fetten Sound haben werden und dass die Tontechniker ihr Handwerk verstanden, wussten wir bereits vom Vorabend. Nach ein paar Minuten war alles angerichtet und es fehlten nur noch die Leute, denen wir unsere Songs präsentieren wollten.

Ehrlich gesagt hatten wir zu dieser Zeit mit ein wenig mehr Verkehr auf dem Gelände gerechnet, aber so ist das nun mal als Anheizer. Da auch wir einen Tag vorher bis in die Puppen gezaubert haben, war es für uns mehr als verständlich, dass einige der anwesenden Gäste noch mit dem Rausch des Vortages zu kämpfen hatten. Nach den ersten anderthalb Songs wanderten sie dann aber doch noch vom nahe gelegenen Campingplatz rüber zur Bühne und der Platz füllte sich langsam, aber sicher.

Ich persönlich bin ja ein großer Fan von Open-Air-Auftritten bei bestem Sommerwetter. Irgendwie haben diese Gigs immer eine ganz besondere Atmosphäre und die anwesenden Gäste hatten offensichtlich ihren Spaß an unserer großschnauzigen und warmherzigen Ruhrpottattitüde.

Die Hitze und das Bier vom Vortag hielten uns nicht auf und wir ballerten unsere Songs kompromisslos ins Gebörne.

Geballer auf’m Gebörne!

Der Gig hat echt eine Menge Spaß gemacht und wir glaubten bereits auf der Bühne, dass wir die Herausforderung „Auswärtsspiel“ bestanden hatten. Alle Gespräche nach unserer Show bestätigten letztendlich diesen Eindruck. Was sich auch als sehr angenehm herausstellte, war die Zusammenarbeit mit Nils, Lars, den Eltern von Lars und der gesamten Crew des Metalstammtisches Königsee. Wir haben selten so ein nettes Team und so eine gute Betreuung als Band erlebt.

Es war einfach insgesamt ein supercooles Wochenende und hat uns als Band noch weiter zusammenwachsen lassen. Ich weiß nicht warum, aber die Luft in Thüringen wirkte irgendwie anders auf uns, weil das, was wir an diesen beiden Tagen gesoffen hatten, hätte uns in Gelsenkirchen sicherlich einige Stunden eher ins Bett befördert, als es in Garsitz der Fall war. Was dann noch auf dem Gelände, aber auch später auf unseren Zimmern abgegangen ist, hätte auf jeden Fall für eine Art „Homevideo“ im Stile der alten Pantera VHS-Kassetten gereicht. Was ein Abriss! 🙂

Genug geschwärmt Leute. Wer mal ein paar Kilometer auf sich nehmen will oder aus der Nähe kommt, sollte sich das M.U.R. Open Air auf jeden Fall nicht entgehen lassen! Loik!

Vielen Dank wie immer an unsere Loik-Crew Franni und Tina für die Unterstützung vor Ort und die immer nette Gesellschaft. Danke an alle Metalheads & Bands, die da waren und an das Team vom Metalstammtisch Königsee. Vielen Dank! Wir kommen gerne zu einer weiteren Runde „Geballer auf’m Gebörne“ wieder!

📸 by CP Arthouse – © C.Steinicke

M.U.R. Open Air – July 14/15, 2023
Setlist:

No Positive Sides
Buried Underneath
Evil Betrayal
Welcome to your Nightmare
Age of Decay
Killing Spree
Hope Dies Last

Sonstiges:

– erste Show von SMORRAH in Thüringen und außerhalb von NRW